Yogische Kommunikation – gesunde Psychosomatik

Kommunikation beginnt aus der Sicht des Yoga bei der Purusa-Prakriti-Beziehung, vereinfacht gesagt bei der Leib-Seele- bzw. body-mind-Beziehung. Diese verändert sich laufend (parinama). Daher ist es nötig, die Zeichen der Veränderungen der offenen, dynamischen Basisbeziehung zu erlauben, zuzulassen und auf dieser Grundlage zu leben (zu sein).

Ausgehend von dieser Grundlage der Samkhya-Philosophie und der Yogatheorie ergeben sich unter Einbezug von Ayurveda die nächsten Aspekte der dynamisch passenden (sama) Zusammenarbeit im Menschen. Die yogische „System“theorie wird hier beschrieben.
Die Theorie und Praxis der Kommunikation ist ein großes Thema. Insbesondere wird es umfangreich, wenn indisch/asiatische und europäisch/amerikanische Theorien und Literatur einbezogen wird. Hier ein geraffter Einblick.
Der Unterschied von Haben und Sein wurde modern von Erich Fromm, der sich mit asiatischer Philosophie und mit Psychoanalyse beschäftigt hat herausgearbeitet.

Im Westen am bekanntesten ist Paul Watzlawick zum Thema Kommunikation. Er wurde von Gregory Bateson gefördert, der das (moderne) systemische Denken mitbegründet hat, und die body-mind-Beziehung (siehe sein Buch Geist und Natur) und damit den Körper in der Kommunikation mit grundlegenden Theorien zur Kommunikation ab 1952 bedeutsam gemacht hat. Die wissenschaftliche Kommunikationstheorie startet mit der quantitativen Erfassung der Informationsübertragung von einem Sender zu einem Empfänger (1949). Das Minimalmodell wird später erweitert. U.a. wurden die Bedingungen der Möglichkeit von menschlicher Kommunikation analysiert, die verbal sprachlichen, wie die kinetische leibgebundenen Ausdrucksformen. Sowohl gattungsspezifisch als auch subjektiv ist Kommunikation existenziell und Produkt und Bedingung von Befreiung und Verständigung.

Etwas anders doch ähnlich ist Jacob von Uexküll in der Biologie und später Thure von Uexküll mit demselben Funktions- und Situationskreis in der Psychosomatik in Europa. Ähnlich wie Ayurveda unterscheidet Bateson in Anlehnung an C. G. Jung zwischen unbelebt und belebt, die in der Welt der Unterschiede leben. (In Yoga sind die bedeutsamen Unterschiede Viveka genannt.) Bateson war Kernmitglied der „Macy-Konferenzen“ gewesen, ein weiterer von etwa zehn wichtigen Forschern war Heinz von Foerster mit seinem berühmt gewordenen Errechnen der stabilen Wirklichkeit durch das Nervensystem als Selbstorganisationsprozess mit Autonomie. Dazu kommt, sagt er, die Beziehung zwischen dem Du und dem Ich . Im alten Ayurveda entspricht das der doppelten Basisbeziehung.

Bereits Bateson hat (1951) die Beziehung, was die Person über sich sagt, den Nachrichten-Aspekt und den Kommando-Aspekt herausgearbeitet.
Beziehungen gewähren nach Wazlawick den Zusammenhalt in Systemen. Yoga, die innere Basisbeziehung von Purusa und Prakriti ermöglicht den Zusammenhang im lebendigen Menschen (menschlichen Systemen) nach Yoga.

• Yoga-Kommunikation startet bei der Beziehung (Purusa-Prakriti), die die Basis-Beziehung der eigenen Existenz, also des eigenen Seins ist und steht immer auch in Beziehung zur Welt. Yoga sieht diese „Selbstbeachtung“, „Selbstrealisierung“ als durch Hindernisse möglicherweise verstellte wichtigste Beziehung. Diese Beziehung ist Gegenwart. Diese Beziehung ist „sein“. Sie drückt sich auch, ohne etwas zusätzlichem aus (z.B. in Shavasana Beziehung Prakriti-Purusa) oder mit etwas zusätzlichem. Zusätzlich zu dieser grundlegenden Beziehung bauen wir in Yoga Beziehung zu den weiteren Elementen auf, den Füßen und Händen, den Marmas, Dosas, Gunas, etc. (statt sie zu negieren, entwerten). Diese können sich ausdrücken, zeigen, als Handlungs- und Wahrnehmungsereignisse zur Verfügung stehen. Daraus ergibt sich die Daueraufgabe: die eigene Leib-Seele/body-mind Beziehung zu beachten; die nicht-feindselige Art der Beziehung zu sich selbst und den eigenen Anteilen zu realisieren; die Wichtigkeit/ Bedeutung der eigenen Person und der/des Gegenübers durch die eigene Person auszudrücken; Offenheit zu sich und zum Gegenüber anzuerkennen; respektvoll die eigene und die Freiheit des Gegenübers zu erkennen; ein klares Rollenverständnis in klarer Beziehung zur verstandenen Rolle der KommunikationspartnerIn zu entwickeln.

• Aus der Beziehung entsteht Ausdruck (Expressivität). Deutlich sieht man das beim Ausdruckstanz. Was innen als Beziehung erlebt wird, wird ausgedrückt. Bei Freude oder Depremiertheit kann man diesen Ausdruck von Menschen auch in der Körperhaltung erkennen. Selbstaudruck ist „Was mich bewegt“ sich selbst und anderen zu zeigen erlauben, ist „Was mich durchschaubar und authentisch macht“ kommunizieren.

• Der Ausdruck der Beziehung kann Aufforderungscharakter haben (Expressivität von Intentionen, die die Authentizität/ Wahrhaftigkeit ausmacht.). In Ayurveda sind die 13 „Rufe der Natur“, also Hunger, Müdigkeit, etc. Ausdruck der gegenwärtigen Purusa-Prakriti-Beziehung mit Aufforderungscharakter. Sind diese Musterbeispiele verstanden, kommen die vielen weiteren von innen kommenden Aufforderungen dazu. „Was möchte ich tun? Welche Alternativen gibt es? An welchen psychosomatischen Zielen orientierte ich mich?“

• Der Inhalt steht wie beim Hunger in Zusammenhang mit dem Aufforderungscharakter. Hunger hat Wünsche nach bestimmten Lebensmitteln zum Inhalt.
• Ohne Denken und ohne Sprache bleibt es non-verbal, mit Sprache wird es verbale Kommunikation.
• Jeder Mensch befindet sich immer in der doppelten Basisbeziehung, die den Lebenszusammenhang nach Yoga und Ayurveda ausmacht.

Text von Dr. Roland Lüthi, MPH der auch die Idee zu den Kommunikationszeichnungen hatte und adj. Prof. Reinhard Bögle, 2015

Literatur
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Bateson, Gregory: http://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson, 28.2.2015
Bateson, Gregory: Geist und Natur, 1987 Frankfurt
Bögle, Reinhard; Lüthi Roland: Erfolgsfaktor Gesundheit, Bern, Stuttgart, Wien, 2000
Fromm, Erich: Zen-Buddhismus und Psychoanalyse, 1971
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Foerster, Heinz von: Das Konstruieren einer Wirklichkeit in: Watzlawick, Paul: Die erfundene Wirklichkeit, München 1979(9), S. 39-60
Habermas, Jürgen: Moralbewusstsein und kommunikatives Handeln 1983(4)
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Lüthi, Roland: Gruppenleben, Bern 1989 und unveröffentlichte Seminarunterlagen danach, sowie der Abschnitt Kommunikation in: Bögle/Lüthi: Erfolgsfaktor Gesundheit, Bern 2000
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Thun, Friedemann, Schulz von: Miteinander reden 1, Reinbek bei Hamburg 1981
Wazlawick, Paul et al. Menschliche Kommunikation, Bern 2011(12)

1 Lenzen S. 336
2 Wikipedia zu Bateson
3 S. 44, 57
4 S.59
5 Wikipediaartikel zu seiner Kommunikationstheorie
6 S. 137