The yogic performance for the compressed wrist joint

Parkinsonism and Yoga-Asana

Vortag in Regensburg von 2012


Laudatio

von Dr. Michael Stanley-Baker vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin anlässlich der Video-Preisverleihung bei der Internationalen Konferenz der IASTAM in Kiel 2017.

Das Yoga Forum München e.V. wurde ausgezeichnet für das Video „The yogic performance for the compressed wrist joint“.


Vielen Dank, Professor Kuriyam, für den Vorschlag und die Organisation dieser anregenden Podiumsdiskussion und auch an Sie, Professor Messner, dass sie sie in das Konferenzprogramm aufgenommen haben. Wenn wir von neuen Medien und neuen Methoden, um Wissen auszudrücken und zu verbreiten, sprechen, dann geht es auch um neue Zielgruppen, neue Konzepte, neue Möglichkeiten, Argumente und Gedanken auszudrücken. Deswegen ist es sehr hilfreich darüber nachzudenken, welche Chancen und Möglichkeiten kurze Videos im Youtube- und Vimeo-Format für die Erforschung von asiatischer Medizin bieten. Als ich mir diese Videos angeschaut habe, habe ich meinen Fokus darauf gelegt, was das Medium Film hat, was dem Buch, dem Aufsatz, dem Bildband fehlt. Was mir auffiel waren drei unterschiedliche Ausdrucksweisen, in denen sich Videos von Papier-Produkten unterscheiden: Als erstes die Möglichkeit, viele Informationen in wenig Zeit zu erzählen. Zweitens die „erzählende Medizin“, also die Möglichkeit die Arzt-Patient-Beziehung und die darin enthaltende Intersubjektivität darzustellen. Und drittens, die Möglichkeit die Zuschauer durch spannende Bilder einzufangen, ihnen ein Mysterium zu zeigen, dass Lust macht, mehr zu lernen.

Daneben gab es noch zwei bedeutende Akteure, die in manchen dieser Videos angewendet wurden und von sich aus wichtige Geschichten erzählt haben: Materialien und Musik.

Fangen wir mit der Fülle an Informationen an. Es gibt das alte Sprichwort, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt, aber 24 Einzelbilder pro Sekunde (wie sie im normalen Film verwendet werden) sagen nicht noch einmal mehr aus, wenn das Bild jedes Mal dasselbe bleibt. Wenn wir die Bilder aber kombinieren oder sich bewegen lassen, wenn wir einen Sprecher, Musik und Grafiken dazu nehmen, dann können Kurzfilme zu wunderschönen Geschichten werden, die weit über den Text hinausgehen und viel mehr aussagen als ein geschriebener Text das jemals könnte. Ein Film, der das besonders schön gemacht hat ist Reinhard Bögles Film über Yoga Therapie. Da sehen wir bewegte Aufnahmen eines Heilpraktikers, der einen Patienten behandelt, kombiniert mit Text, der die Grundprinzipien der Behandlung erklärt, und eingeblendeten Grafiken, die das darunterliegende Skelett und die Energieströme zeigen. Es würde viele Seiten Text brauchen, um all das zu beschreiben, aber stattdessen sehen wir jetzt in nur drei Minuten eine klinische Demonstration, in der alle wissenschaftlichen Erkenntnisse im Text erklärt werden, und alle taktilen Empfindungen des Abtastens des Patienten in den Bildern dargestellt werden. Ich finde dies ein äußerst erfolgreiches Beispiel, weil es in Echtzeit die Dichte des Wissens eines Heilpraktikers zeigt – oft fühlen die Finger bei der Diagnose so viel mehr als Worte es ausdrücken könnten, und alles passiert immer sehr schnell während der Heilpraktiker gleichzeitig zahlreiche Analysen durchdenkt und zwischen unterschiedlichen Erkenntnistheorien wechselt: die Struktur des Knochens, die Ausrichtung des Körpers, die Energieströme, kosmologische Prinzipien, Humoralpathologie. Um den Film in all seinen Aspekten richtig aufnehmen zu können, muss man ihn sich immer wieder anschauen.

Im Bezug auf die narrative Medizin macht ein Film scheinbar das Gegenteil von Professor Bögles Film – der von dem Team um Lucia Candilese. Hier gibt es quasi keinen eingeblendeten Text und keine Erzählerstimme. Stattdessen zeigt der Film einfach, leise und ohne große Aufmache die Begegnung eines Arztes mit einem Patienten in einer Klinik. Anfangs fand ich den Film sehr frustrierend, weil es keine „Worte“ gibt! Aber die Stille spricht Bände. Ich spreche kein Italienisch, aber es ist offensichtlich, dass der Patient hier ist, um seine Hände behandeln zu lassen. Greifbarer wird die liebevolle Beziehung zwischen Patient und Arzt, die sich in ihren Blicken und in ihren aufeinander abgestimmten Bewegungen zeigt. Auch die Behandlung selbst ist sehr spannend – besonders der Moxa-Ball der über den Bauch gerollt wird – ich wollte sehen, wie er gemacht wird und wie der Patient darauf reagiert! Im Film kommt auch subtiler Humor zum Einsatz – halten Sie die Augen nach dem Kameramann offen, der hinter dem Arm des Arztes hervorschaut und sein modernes Handy herzeigt während dieser gerade auf alte Art und Weise den Puls misst, oder nach der Rezeptionistin, die das Fenster öffnet, damit sich der Moxa-Geruch auflöst.

Viele der Filme verwenden visuelle Narrative, zusammengesetzte Bilder, um kontinuierlich eine These aufzubauen, die den Zuschauer fesseln soll. Am erfolgreichsten schien die Kunst der langsamen Offenbarung, in der Grafiken oder Bilder eingeblendet werden und wir eine Szene in Echtzeit sehen, die von einem Sprecher erklärt wird. Der Zuschauer wird Teil einer entstehenden Geschichte, er wird sozusagen auf eine Reise von einem Ort an den nächsten mitgenommen, an deren Ende er etwas Neues gelernt hat. Es braucht sehr viel Geduld von Seiten der Filmemacher, um die Zeitabläufe genau richtig hinzubekommen, so dass immer Bilder aufeinander folgen, die zueinander sprechen. Aber wenn Text und Bild genau zusammenpassen entsteht ein Höhepunkt an narrativer Erzählung, es entsteht ein Effekt, wie wenn beide Gehirnhälften zusammenarbeiten und man einen Aha-Moment hat. Das ist nicht nur effektiv, um Wissen zu vermitteln, sondern auch um das Interesse des Publikums aufrecht zu erhalten, so dass sie allen Spuren folgen wollen und am Ende belohnt werden, wenn alle Erzählstränge zusammenfinden.

Daneben gab es noch zwei weitere wichtige Akteure in den Filmen: Hintergrundmusik wurde verwendet, um Kontinuität zwischen unterschiedlichen Aufnahmen herzustellen, den Ton eines ärztlichen Treffens anzudeuten, oder sogar um als komödiantische Pointe Streits vor der Kamera hervorzuheben. Der zweite Akteur waren Materialien, vor allem wenn wir mehr über ihren Kontext sehen konnten. Diese Materialen reichen von Manuskripten aus indischen Archiven bis hin zu Gipsen und Wickeln aus ärztlichen Praxen, und sie erzählen uns etwas über die ökonomischen, sozialen und kulturellen Hintergründe, in denen dieses medizinische Wissen angewendet oder vermittelt wird.

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